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„Jugendliche und junge Erwachsene, die
sich heute in politischen Jugendorganisationen engagieren, werden
oftmals von ihren Altersgenossen kritisch beäugt. Für
die einen gelten sie als Karrieristen, die nur schnell nach „oben
an die Macht“ wollen, für die anderen sind sie hoffnungslose
Idealisten, die in den etablierten Parteien nichts zu sagen haben
und ihre Freizeit mit dem Kleben von Plakaten vergeuden.
Von Seiten der Politikwissenschaft und politischen
Bildung werden die parteinahen Jugendorganisationen wiederum weitgehend
mit Nichtbeachtung gestraft. Dabei wird leicht übersehen, dass
zahlreiche Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene ihre politische
Sozialisation in eben diesen Jugendorganisationen erfahren haben.
In Kommentaren der Publikums- und Fach-Medien wird wiederum gerne
auf die mangelnde Auswahl an geeigneten politischen Führungskräften
hingewiesen.
Zudem beklagen Medien und Wissenschaft eine
zunehmende Politik- und Parteienverdrossenheit gerade unter jungen
Menschen. Nicht nur in Ostdeutschland steigen extremistische –
vor allem rechtsextreme – Einstellungen und Wahlverhalten
unter Jugendlichen. Auch im Saarland konnte die NPD bei der Landtagswahl
2005 deutliche Stimmengewinne bei den Jungwählern verzeichnen.
Sollte es deswegen nicht Aufgabe der politischen Bildung sein, demokratische
Jugendorganisationen zu fördern, damit sie junge Menschen für
Demokratie und Parlamentarismus heranbilden, die Werte unseres Rechtsstaates,
und für eine kritisch-konstruktive Mitarbeit an der Gestaltung
unserer Gesellschaft gewinnen?
Am Beispiel der Geschichte der Jungen Liberalen
lässt die Villa Lessing – Liberale Stiftung Saar e. V.
untersuchen, wie Eigeninitiative junger Menschen Politik beeinflussen
kann, welche Funktionen ein politischer Jugendverband in unserem
System wahrnimmt, wo ihm Grenzen gesetzt sind und über welche
Zukunftsperspektiven er verfügt.
Dabei ist die Geschichte der Jungen Liberalen
insofern von besonderem Interesse, da dieser Jugendverband nicht
etwa von der Mutterpartei aus der Taufe gehoben wurde, sondern sich
in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre in Opposition zur damaligen
FDP-Jugendorganisation, den Deutschen Jungdemokraten, gründete.
Da die Gründungsphase der Jungen Liberalen und der Kampf um
die Anerkennung seitens der Partei in die Endphase der sozialliberalen
Koalition in Bonn fielen, behaupteten einige Medien, dass die Gründung
der Jungen Liberalen durch den rechten, einen Koalitionswechsel
zur Union befürwortenden Flügel betrieben worden sei und
stilisierten die Auseinandersetzungen zwischen Jungdemokraten und
Jungen Liberalen zu einem „Stellvertreterkrieg“ zwischen
den Parteiflügeln der FDP. Die Untersuchung der Geschichte
der Jungen Liberalen zeigt jedoch, dass diese Darstellung nicht
haltbar ist.
Mit Hildegard Hamm-Brücher und dem
damaligen Wirtschaftsminister des Saarlandes, Werner Klumpp, waren
es Vertreter beider Flügel, die zu den ersten Unterstützern
der Jungen Liberalen in der FDP gehörten.
Ziel der Untersuchung der Geschichte der
Jungen Liberalen ist es, dazu beizutragen, Mythenbildung und gängige
Klischees über politische Jugendorganisationen zu korrigieren
und die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements junger Menschen
in der Politik zu verdeutlichen. Sie will zur Mitarbeit motivieren,
denn Demokratie lebt vom Mitmachen.
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