| Steinkohle
und Eisenerz haben das Saargebiet bereits während
der industriellen Revolution wirtschaftlich stark
gemacht. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde
es ein dicht besiedeltes Industrierevier. Dies blieb
auch nach dem 2. Weltkrieg so, als ein ganzer Kontinent
Kohle und Stahl dringend brauchte und viele Arbeitsuchende
an die Saar kamen.
In der Zeit zwischen 1950
und 1965 wuchs die Bevölkerung des Saarlandes
von 950 000 auf 1,13 Millionen Menschen. Doch
dann gerieten die Stahl- und Kohlebranche europaweit
in die Krise, die Zahl der Arbeitsplätze
ging zurück. Vor allem die jüngeren
Saarländer begannen ihre Heimat zu verlassen
und suchten sich anderswo Arbeit. Zwei Jahrzehnte
lang sank die Einwohnerzahl des Saarlandes. Erst
Mitte der 1980er Jahre, nachdem die Wirtschaft
einen guten Teil des Strukturwandels – hin
zur Automobilindustrie – geschafft hatte,
stabilisierte sich die Einwohnerzahl und stieg
wieder leicht an, zumindest bis 1995. Dann wendete
sich das Blatt erneut.
Denn die langjährige
Abwanderung junger Menschen hat Spuren in der
saarländischen Bevölkerungspyramide
hinterlassen. Das Saarland ist das am stärksten
überalterte westdeutsche Bundesland. Weniger
als 19 Prozent der Bevölkerung an der Saar
sind jünger als 20 Jahre, mehr als 21,5 Prozent
sind dagegen älter als 65. Der Bevölkerungsanteil
der 20- bis 39-Jährigen, also potenzieller
Eltern, ist der geringste eines deutschen Bundeslandes.
Hinzu kommt eine besonders
geringe Kinderzahl je Frau. Das Land verzeichnet
seit Langem die geringste Fertilitätsrate
der alten Bundesländer – gegenwärtig
nur knapp über 1,2 Kinder je Frau. Ein Vergleich
mit dem benachbarten Ausland wie Luxemburg, Wallonien
(Belgien) oder Lothringen (Frankreich) zeigt besonders
deutlich, dass die deutschen Rahmenbedingungen
für die geringen Kinderzahlen verantwortlich
sind. Denn trotz ähnlicher schwerindustrieller
Vergangenheit werden dort überall deutlich
mehr Kinder geboren.
Auch die relativ geringe
Lebenserwartung an der Saar trägt dazu bei,
dass hier bereits heute deutlich mehr Menschen
sterben als geboren werden. Frauen haben im Saarland
mit 80,5 Jahren die kürzeste Lebenserwartung
aller deutschen Bundesländer. Auch die Lebenserwartung
der Männer ist mit 75 Jahren die geringste
in Westdeutschland. Eine wichtige Ursache dafür
dürfte in den harten Arbeitsbedingungen der
Schwerindustrie zu suchen sein, denen viele Saarländer
jahrelang ausgesetzt waren.
Die Einwohnerzahl des
Saarlandes schrumpft dadurch um etwa 5 000 Menschen
pro Jahr allein durch einen Überschuss der
Sterbefälle über die Geburten. In den
Jahren zwischen 1996 und 2004 war das Saarland
das einzige Bundesland, dessen Bevölkerung
trotz Zuwanderungen sank. Mittlerweile verzeichnet
das Land jedoch per saldo wieder Abwanderung,
was den Bevölkerungsrückgang beschleunigt.
Bis 2020 wird für
alle saarländischen Kreise ein deutlicher
Bevölkerungsrückgang prognostiziert.
Das Statistische Landesamt rechnet in vier der
sechs saarländischen Kreise sogar mit Verlusten
über zehn Prozent – am stärksten
im Kreis Neunkirchen. Auch die Landeshauptstadt
Saarbrücken schrumpft und hat heute bereits
15 Prozent weniger Einwohner als noch 1970. Die
Bevölkerung des Saarlandes dürfte von
heute 1 040 000 bis 2020 deutlich unter eine Million
sinken. Bis 2050 wird mit einem Bevölkerungsrückgang
auf dann nur noch 800 000 Einwohner gerechnet.
Obwohl das Saarland eine
dicht besiedelte Region bleibt, werden die Verschiebungen
in der Altersstruktur erhebliche Konsequenzen
für die Infrastruktur haben. Nach Bevölkerungsprognosen
des Statistischen Landesamtes schrumpft die Zahl
der Schüler (6 bis 15 Jahre) bis 2020 von
über 90 000 auf weniger als 70 000. Gleichzeitig
wird sich die Zahl der über 80-Jährigen
von etwa 50 000 auf über 75 000 erhöhen.
Das Land braucht dann deutlich weniger Schulen,
dafür aber mehr Pflegeheime. Wegen des deutlichen
Bevölkerungsrückganges dürften
auch die Preise für Wohnimmobilien unter
Druck geraten – und das wird im Saarland,
dem Bundesland mit dem deutschlandweit höchsten
Anteil von Wohneigentum, mehr Menschen treffen
als anderswo. |