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Mo. 20.05.2013
 
 

SAARLAND

MATTHIAS HORX

 

 

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 SAARLAND 

SAARLAND, ALTES LAND
WAUM DER DEMOGRAPHISCHE WANDEL AN DER SAAR ETWAS FRÜHER KOMMT

Steinkohle und Eisenerz haben das Saargebiet bereits während der industriellen Revolution wirtschaftlich stark gemacht. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es ein dicht besiedeltes Industrierevier. Dies blieb auch nach dem 2. Weltkrieg so, als ein ganzer Kontinent Kohle und Stahl dringend brauchte und viele Arbeitsuchende an die Saar kamen.

In der Zeit zwischen 1950 und 1965 wuchs die Bevölkerung des Saarlandes von 950 000 auf 1,13 Millionen Menschen. Doch dann gerieten die Stahl- und Kohlebranche europaweit in die Krise, die Zahl der Arbeitsplätze ging zurück. Vor allem die jüngeren Saarländer begannen ihre Heimat zu verlassen und suchten sich anderswo Arbeit. Zwei Jahrzehnte lang sank die Einwohnerzahl des Saarlandes. Erst Mitte der 1980er Jahre, nachdem die Wirtschaft einen guten Teil des Strukturwandels – hin zur Automobilindustrie – geschafft hatte, stabilisierte sich die Einwohnerzahl und stieg wieder leicht an, zumindest bis 1995. Dann wendete sich das Blatt erneut.

Denn die langjährige Abwanderung junger Menschen hat Spuren in der saarländischen Bevölkerungspyramide hinterlassen. Das Saarland ist das am stärksten überalterte westdeutsche Bundesland. Weniger als 19 Prozent der Bevölkerung an der Saar sind jünger als 20 Jahre, mehr als 21,5 Prozent sind dagegen älter als 65. Der Bevölkerungsanteil der 20- bis 39-Jährigen, also potenzieller Eltern, ist der geringste eines deutschen Bundeslandes.

Hinzu kommt eine besonders geringe Kinderzahl je Frau. Das Land verzeichnet seit Langem die geringste Fertilitätsrate der alten Bundesländer – gegenwärtig nur knapp über 1,2 Kinder je Frau. Ein Vergleich mit dem benachbarten Ausland wie Luxemburg, Wallonien (Belgien) oder Lothringen (Frankreich) zeigt besonders deutlich, dass die deutschen Rahmenbedingungen für die geringen Kinderzahlen verantwortlich sind. Denn trotz ähnlicher schwerindustrieller Vergangenheit werden dort überall deutlich mehr Kinder geboren.

Auch die relativ geringe Lebenserwartung an der Saar trägt dazu bei, dass hier bereits heute deutlich mehr Menschen sterben als geboren werden. Frauen haben im Saarland mit 80,5 Jahren die kürzeste Lebenserwartung aller deutschen Bundesländer. Auch die Lebenserwartung der Männer ist mit 75 Jahren die geringste in Westdeutschland. Eine wichtige Ursache dafür dürfte in den harten Arbeitsbedingungen der Schwerindustrie zu suchen sein, denen viele Saarländer jahrelang ausgesetzt waren.

Die Einwohnerzahl des Saarlandes schrumpft dadurch um etwa 5 000 Menschen pro Jahr allein durch einen Überschuss der Sterbefälle über die Geburten. In den Jahren zwischen 1996 und 2004 war das Saarland das einzige Bundesland, dessen Bevölkerung trotz Zuwanderungen sank. Mittlerweile verzeichnet das Land jedoch per saldo wieder Abwanderung, was den Bevölkerungsrückgang beschleunigt.

Bis 2020 wird für alle saarländischen Kreise ein deutlicher Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Das Statistische Landesamt rechnet in vier der sechs saarländischen Kreise sogar mit Verlusten über zehn Prozent – am stärksten im Kreis Neunkirchen. Auch die Landeshauptstadt Saarbrücken schrumpft und hat heute bereits 15 Prozent weniger Einwohner als noch 1970. Die Bevölkerung des Saarlandes dürfte von heute 1 040 000 bis 2020 deutlich unter eine Million sinken. Bis 2050 wird mit einem Bevölkerungsrückgang auf dann nur noch 800 000 Einwohner gerechnet.

Obwohl das Saarland eine dicht besiedelte Region bleibt, werden die Verschiebungen in der Altersstruktur erhebliche Konsequenzen für die Infrastruktur haben. Nach Bevölkerungsprognosen des Statistischen Landesamtes schrumpft die Zahl der Schüler (6 bis 15 Jahre) bis 2020 von über 90 000 auf weniger als 70 000. Gleichzeitig wird sich die Zahl der über 80-Jährigen von etwa 50 000 auf über 75 000 erhöhen. Das Land braucht dann deutlich weniger Schulen, dafür aber mehr Pflegeheime. Wegen des deutlichen Bevölkerungsrückganges dürften auch die Preise für Wohnimmobilien unter Druck geraten – und das wird im Saarland, dem Bundesland mit dem deutschlandweit höchsten Anteil von Wohneigentum, mehr Menschen treffen als anderswo.




Steffen KröhnertDer Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am unabhängigen Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, das sich zum Ziel gesetzt hat, die öffentliche Wahrnehmung der demografischen Veränderungen zu verbessern und Folgen des Wandels im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung zu bewältigen.

Er ist Autor zahlreicher Studien zu diesem Themenkreis, die auch international beachtet wurden, wie zuletzt „Not am Mann“ zum Frauenmangel in Ostdeutschland.

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